Die älteste Rennyacht der Welt

 

 

 

VANADIS ist einer von mehreren Unternamen der nordischen Göttin Freya. VANADIS ist auch ein 1884 entdeckter Asteroid im Asteroidenhauptgürtel.
VANADIS heißt auch die wohl älteste segelnde Rennyacht der Welt.
1867 beauftragte der schwedische Alkoholproduzent Edvard Cederlund die Werft Södra Varvet in Stockholm mit dem Entwurf und Bau einer Yacht nach den Vorbildern der Rennyachten, die um den 1851 geschaffenen America's Cup segelten.

 

▲ Die VANADIS auf der Obereider

 

1868 wurde das als Schoner getakelte Schiff vom Stapel gelassen und VANADIS getauft. Das Schiff hatte 2 Masten und war mit Gaffelsegeln ausgerüstet. Im Gegensatz zu Rahsegeln, die an den an Masten hängenden Querhölzern angeschlagen sind, sind Gaffelsegel an Hölzern angeschlagen, die in Längsrichtung des Schiffes an den Masten befestigt sind. Aufgrund der speziellen Bauart gehört die VANADIS in die Reihe der Neufundlandschoner.
Der Holzrumpf ist 20 Meter lang bei einer Breite von 5,15 Meter. 29 Meter ist das 60-Tonnen-Boot über alles lang. Der Tiefgang beträgt 2,80 Meter. 283m² Fläche weisen die Segel auf.
30 Jahre fuhr Cederlund auf der VANADIS, jedoch hat er nie mit ihr an Regatten teilgenommen. 1898 vermachte er das Schiff der Königlichen Schwedischen Marine. 1899 lief die VANADIS  zu einer Tiefseeexpedition aus. Bis 1925 nutzte die Marine das Schiff als Lotsenschoner und Eilkurier. Auch als Schmugglerjäger und Vergnügungsboot wurde sie genutzt. 1925 ging der Schoner nach einer gründlichen Werftüberholung in Stockholm in den Besitz des Kgl. Schwedischen Yachtclubs über. 1940 verkaufte der Yachtclub das Boot an ein Mitglied. Dies war der erste von vier weiteren Eignerwechseln in Schweden. 1956 wurde die VANADIS von einem deutschen Beamten erworben, der das Schiff in VALDIVIA VON ALTONA  umtaufte und zusätzlich einen Dieselmotor von Daimler Benz, Typ OM 352, mit 105 PS Leistung einbauen ließ. Gerüchteweise hieß es, ein Motor sei nur eingebaut worden, weil der neue Eigner nicht segeln könne. Neuer Heimathafen war jetzt Hamburg, obwohl die VALDIVIA immer in Flensburg lag. 1981 wurde sie erneut überholt und zählt nun zum Bestand des Flensburger Museumshafen. Lange Jahre lag die VALDIVIA hier, bis sie Ende der Neunziger Jahre  an den Ahlmannkai in Büdelsdorf verholt wurde. Und hier vergammelte die traditionsreiche Yacht: Der Motor hatte Frostschäden, die Seeventile waren teilweise geöffnet, die Segel verspakt.
2003 entdeckt hier der Schiffsliebhaber Harro Koch die VALDIVIA. Er kauft das Schiff, weil er es so schön findet und meint,  daß es nicht weiter verrotten darf. Schiffserhaltung war sein vorderstes Gebot. Die Historie war dem neuen Eigner zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Das Boot wird auf das Gelände des Eigners in die Obereider geschleppt. 6 Männer arbeiteten 7 Tage in der Woche 8 Monate lang an der Auferstehung des Schiffes.
Das Schanzkleid wurde mit ausgesuchtem Eichenholz komplett erneuert. Die Takelage wurde komplett neu gesetzt. Der Segelmacher nähte 283 m² neue Segel. Der Motor wurde instandgesetzt. Unzählige weitere Arbeitsschritte komplettieren die Aufarbeitung.
Im Sommer 2004 war erneuter Stapellauf und Taufe zurück auf den Namen VANADIS.
2005 hat Koch mit der VANADIS einen Ostseetörn gemacht und an der Windjammerparade der Kieler Woche teilgenommen.

Im Frühjahr 2006 bekommt die VANADIS neue Masten. Im Landkreis Harburg sind Anfang März zwei 30 Meter hohe Douglasien sorgfältig ausgesucht und gefällt worden. Das Holz dieser Bäume ist für diesen Zweck besonders geeignet. Die zur Eiszeit in Europa ausgestorbene Baumart ist im 18. Jahrhundert von dem schottischen Botaniker David Douglas aus Nordamerika mitgebracht worden und mittlerweile in Europa wieder weit verbreitet. Die Douglasie zeichnet sich durch einen schnellen und geraden Wuchs aus. Das Holz ist sehr robust. So können die Bäume bis zu 100 Meter hoch werden bei einem Stammdurchmesser bis zu 4 Metern.
Auf besonderen Wunsch des Eigners Harro Koch sind die Bäume bei abnehmendem Mond geschlagen worden. Obwohl wissenschaftlich nicht erwiesen, sollen so geschlagene Bäume bis zu 25 % weniger Wasser enthalten. Der niedrigere Wassergehalt bedeutet höhere Festigkeit und längere Nutzungsdauer des Holzes.

 

 

 

Bis zum Sommer soll die VANADIS wieder fertig sein.
Dann ist Harro Koch 70 – und für die nächsten 80 Jahre seiner VANADIS hat er die Zukunft gesichert:
Sohn und Enkel sind in die Pflicht genommen worden.
Außerdem bleibt die VANADIS nur für die Familie – eine Charter wird es nicht geben.
Als Funktionsmodell im Maßstab 1:20 wird ein Modellbausatz der VALDAVIA von ROBBE-Modellsport produziert.

 

 

 

 

 

Cornils Rathjens     9.3.2006